Japanische Arbeitsmentalität

Die japanische Arbeitsmentalität

Japaner gelten als extrem fleißig. Ein Umstand, der für die japanische Wirtschaft des letzten halben Jahrhunderts sehr wichtig war. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Arbeitnehmers in Japan beträgt etwa 60 Wochenstunden und mehr. Allerdings besitzt der Japaner diese Arbeitsmentalität nicht nur aus reiner Liebe zum Staat und dessen Wirtschaftskraft. Warum die japanische Arbeitsmentalität aber so gelagert ist, erklärt sich durch einen Blick in die kulturelle Prägung und die Traditionen des Landes.

Arbeit zwischen Shintoismus und Buddhismus

80 Prozent der Japaner gehören dem Shintoismus und Buddhismus an. Zwei Religionen, deren Bekenntnisse nicht im Widerspruch zueinander stehen und somit gleichberechtigt nebeneinander existieren können. Der Shintoismus ist die ältere Religion und verehrt – vereinfacht gesagt – die Natur in all ihren Formen. Der Buddhismus kam Mitte des sechsten Jahrhunderts dazu und war in Bezug auf die Selbstdisziplin, die Treue, die Bescheidenheit und dem Streben nach Harmonie prägend. Auch der wichtige Stellenwert der Familie, sowie der Gruppe im Allgemeinen gehört seitdem zu den unveränderten, elementaren Traditionen Japans. Ein ausgeprägtes Gruppendenken ist zentraler Bestandteil eines jeden japanischen Wirtschaftsunternehmens und jeder Firma. Ein guter Arbeiter kann nur in einem starken und harmonischen Team erfolgreich sein. Zu dieser Gruppentreue werden Japaner schon von Klein auf erzogen. Sie führt beispielsweise dazu, dass ein japanischer Arbeitnehmer niemals zulassen würde, dass sein Kollege wegen eines Urlaubs Mehrarbeit zu leisten hätte. Dies passt nicht in das Verständnis von sozialer Verbundenheit und Treue.

Pflichterfüllung mit Hingabe über die Arbeitszeit hinaus

Die japanische Arbeitsmentalität ist geprägt von einer bedingungslosen Zurücknahme der eigenen Bedürfnisse und unbedingtem Gehorsam gegenüber dem Vorgesetzten. Kein japanischer Arbeitnehmer geht vor dem Chef nach Hause oder würde sich anmaßen, etwas zu tun, was der Gruppe und somit dem Betrieb Schaden könnte. Der Arbeitnehmer verlöre sein Gesicht und auch das Ansehen seiner gesamten Familie würde dadurch Schaden nehmen. Auch wenn sich in der jüngeren Vergangenheit eine Veränderung abzeichnet, ist der Mann derjenige, der Arbeiten geht. Die Rolle der Frau ist traditionell der Familie und den Kinder zugeordnet. Hier spielt der Mann hingegen eine meist untergeordnete Rolle. Das hat wiederum zur Folge, dass ein Arbeitnehmer auch über die Arbeitszeit hinaus mit seinem Kollegen und Vorgesetzten einen Großteil seiner Freizeit verbringt. Versucht er sich dem zu entziehen, entzieht er sich der Gruppe und grenzt sich bewusst aus der (Arbeits-)Gemeinschaft aus.

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