Japan wird in Europa immer noch als ein seltsam exotisches Land wahrgenommen. Das mag vielleicht daran liegen, dass wir außerhalb gewisser Viertel in Düsseldorf und den mittlerweile vielen Sushi Restaurants nur wenig Kontakt zur japanischen Kultur haben. Doch wer genauer hinschaut, der wird eine ganze Reihe an Parallelen entdecken, gerade am Arbeitsmarkt finden sich viele ähnliche Strukturen, die uns aus unseren westeuropäischen Systemen nur allzu bekannt vorkommen.
Geschichte in Kürze
Grob gesprochen war die Ausgangslage für den Arbeitsmarkt in Japan in etwa vergleichbar mit der des deutschen Arbeitsmarkts nach dem zweiten Weltkrieg. Beide Länder hatten Seite an Seite im Kampf gegen die Alliierten verloren und ein Großteil ihrer industriellen Großanlagen im Bombenhagel auf die Industriezentren verloren. Nach den großen Wiederaufbauanstrengungen folgte in Japan eine lange Phase des Mangels an Arbeitskräften. Das hohe Wirtschaftswachstum forderte alle in Japan verfügbaren Arbeitskräfte und spannte sie in der industriellen Produktion oder dem Dienstleistungssektor ein. Nach einem langen hin und her mit Phasen starken Wachstums vor allem in den Bereichen der Elektronikindustrie folgten Zeiten des wirtschaftlichen Stillstands. Der hohe Yen Kurs machte japanische Produkte weniger attraktiv. Heute haben wir in Japan Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt, die uns aus Westeuropa nicht unbekannt vorkommen dürften: Der Wandel demografischer Strukturen sorgt dafür, dass weniger Arbeitskräfte als benötigt nachwachsen, gleichzeitig steigt der Anteil der sogenannten atypischen Arbeitsverhältnisse auch in Japan an. Mehr und mehr Menschen arbeiten in befristeten Verhältnissen und stehen – der Globalisierung sei dank – in einem nunmehr internationalen Konkurrenzverhältnis.
Der japanische Arbeitsmarkt heutzutage
Heute liegt die Arbeitslosenquote nach den jüngsten Schätzungen von 2012 bei etwas unter fünf Prozent. In den besten Zeiten, kurz vor der Wirtschaftskrise lag dieser Parameter aber auch schon bei etwas weniger als vier Prozent. Der japanische Arbeitsmarkt allerdings ist international noch stark abgeschottet. Das liegt zum einen daran, dass Japan nicht wie Deutschland in einen größeren Wirtschaftsraum wie die Europäische Union angebunden ist, zum anderen aber auch an der traditionell eher zurückhaltenden Mentalität der Japaner. Zwar sind viele große japanische Industriekonzerne heute auf internationalem Parkett tätig und viele von ihnen auch sehr erfolgreich, auf eine hohen internationale Mobilität des Arbeitsmarkt darf man deswegen aber noch nicht schließen. Insgesamt leben heute nur ca. zwei Prozent Ausländer in ganz Japan, die meisten von ihnen sind Koreaner, die bereits in Japan geboren wurden und auch in dem Land groß geworden sind.
Chancen der ausländischen Bewerber
Arbeitnehmer aus anderen Nationen finden sich nur in sehr seltenen Fällen über das Land verteilt. Die meisten von ihnen arbeiten in der Hauptstadt Tokio, wo wichtige Führungs- und Forschungspositionen immer öfter auch mit ausländischen Fachkräften besetzt werden. Eines der Hauptprobleme dafür, dass Ausländer nur schwer in Japan Fuß fassen können, liegt darin begründet, dass nur in wenigen Fällen im Ausland erworbene Berufs- und Schulabschlüsse in Japan anerkannt werden. Lediglich MBA-Zertifikate und vergleichbare Studienabschlüsse international ausgerichteter Programme finden in Japan Anerkennung. Chancen haben Bewerber aus dem Ausland aber immer dann, wenn sie wichtige einschlägige Berufserfahrungen oder gute Beziehungen mitbringen. Das sind die wichtigen Sprungbretter für den erfolgreichen Start in den japanischen Arbeitsmarkt. Wer beruflich nach Japan will, wird sich in vielen Fällen schwertun, wenn er mit dem Land noch komplett unvertraut ist. Wer die Chance hat, über das eigene Unternehmen einen Austausch nach Japan zu organisieren, sollte diese Gelegenheit unbedingt wahrnehmen, um die eigenen Chancen auf der Insel zu verbessern.
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